What’s Happened
Ode an die Gastro – der Fels in der Brandung
Die Gastronomie-Gemeinschaft ist spannend, vielschichtig, kreativ, adaptiv, widerstandsfähig, lösungsorientiert, pragmatisch, und unendlich menschlich.
Und genau wegen des Menschlichen fängt sie auf und ab, durchlebt hoch und tief, badet aus – in voller Intensität und aus allen Ecken, was unsere Gesellschaft gerade breitflächig erfährt.
Das Gastgewerbe ist der Ort, an dem alles aufeinanderprallt, was unser gesellschaftliches Leben ausmacht. Hier treffen sich der Blumenkohl und die Bäuerin, die Ziege und der Jäger, das Familiendrama und das Politikversagen, das Gewerbeamt und der Gaskonzern, der Teenie und der Haudegen, die beglückt-freudige Neuberlinerin und der ausgebrannte, geschiedene Patchwork-Papa.
Der iranische Spüler, der zu Fuß nach Berlin gekommen ist (und zwischendurch verheiratet wurde) ist hier zuhause, genauso die Kanadierin, die alles “So Berlin” findet, und gerne was mit Purpose macht. Der Anzugträger, der den Dicken macht und der Kreuzberger Kameramann, der sein Öl nur direkt beim Lieblingsgriechen kauft. Die Yogalehrerin auf der Suche nach Sinn und Sinnlichkeit und der Handwerker aus Lichtenberg, der nicht ohne sein Mettbröttchen kann.
Die Gastro bringt alles unter einen Topf, an einen Tisch, auf einen Teller. Einen, der allen schmeckt und an dem Menschen friedlich zusammen sind. Das macht die Gastro fast schon himmlisch gut. Sie öffnet Räume, wo vorher gar keine waren: sie macht aus einem Parkplatz einen Biergarten, aus jedem Moment ein Erlebnis, aus einem Kasten Bier eine Bar, aus einem Klavier ein Konzert, aus 4 Wänden ein Halleluja.
Wen interessieren beim Essen schon Mehrwertsteuer, Mindestlohn, Energiepreise, Mitarbeitersorgen, Familienkrisen, Flughafenpleiten, Wetterpech und Kombidämpfer-Pannen. Das ist der normale Alltag, mit dem Gastronomen klarkommen, jeden Morgen aufstehen und das Beste daraus machen.
Wir sind 200 000 Betriebe in Deutschland, mit 2 Millionen Beschäftigten, die rund 10 Milliarden Gerichte pro Jahr kreieren und servieren und damit 100 Milliarden Euro umsetzen.
30% davon gehen an die Landwirte und Produzenten, 40–50% an die Mitarbeiter (davon 40% Lohnnebenkosten an den Staat), 10–15% an die Vermieter oder ins Gebäude, 10–15% an Handwerkerinnen & andere Dienstleister, und als Gewinn bleiben im besten Fall 10%, meist 5%; aktuell oft noch weniger – und davon geht dann noch mal die Hälfte an den Staat.
Gastronomen machen es nicht fürs Geld. Sie machen es für die Menschen, fürs Leben, für die Gemeinschaft, für die Familie, für die Tradition, fürs Handwerk, für die Kreation, für die Liebe zu den Anderen. Gastgewerbe ist, was Gesellschaft zusammenhält und Leben in die Bude bringt.
In diesem Sinne, geht’s raus und lasst euch bedienen!